Öffentliche Schutzräume einrichten: Was muss konkret drin sein?
Was Kommunen jetzt konkret beschaffen müssen – pro Person, skalierbar, sofort einsetzbar: Eine erste Hilfestellung für die Ausstattung.
Das BBK schreibt an 11.000 Kommunen – und stellt eine offene Frage
Ende 2025 hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ein Rundschreiben an alle 11.000 Städte und Gemeinden in Deutschland versandt. Der Auftrag: Bis Ende 2026 sollen Kommunen mögliche öffentliche Schutzräume identifizieren und melden – Schulkeller, Tiefgaragen, Rathauskeller, Gemeindegebäude.
Das Ziel ist klar. Was jedoch viele Verantwortliche in Kommunen, Ordnungsämtern und Katastrophenschutzbehörden direkt danach fragen: Was muss eigentlich konkret drin sein, damit ein Raum als Schutzraum funktioniert?
Das BBK plant dazu ab 2026 Pilotprojekte. Klare bundesweite Mindeststandards für die Ausstattung stehen noch aus. Und genau das ist das Problem: Kommunen, die heute handeln wollen, haben keinen verbindlichen Leitfaden.
Dieser Artikel gibt eine praxisnahe Antwort – basierend auf dem, was in vergleichbaren Notunterkünften bereits funktioniert, und dem, was das BBK als Grundversorgung skizziert hat: Feldbetten, sanitäre Anlagen, Trinkwasser, Erste Hilfe.
Was unterscheidet einen Schutzraum von einer Notunterkunft?
Der Begriff ist wichtig. Ein öffentlicher Schutzraum im Sinne des BBK-Konzepts ist kein dauerhafter Wohnraum – er ist ein kurzfristiger Zufluchtsort für einige Stunden bis wenige Tage. Szenarien sind Raketen- oder Drohnenangriffe auf kritische Infrastruktur, aber auch Extremwetterereignisse, Blackouts oder andere Großschadenslagen.
1Das verändert die Anforderungen:
- Kein Fokus auf komfortable Langzeitunterbringung
- Fokus auf schnelle Aktivierbarkeit und grundlegende Versorgungssicherheit
- Ausstattung muss gelagert, abrufbar und ohne Vorbereitung einsetzbar sein
Wichtig: Ein öffentlicher Schutzraum ist keine Notunterkunft – und sollte auch nicht so ausgestattet werden. Wer eine Turnhalle für Geflüchtete einrichtet oder eine Katastrophenschutzunterkunft für mehrere Wochen plant, denkt in anderen Kategorien: Komfort, Langzeitversorgung, soziale Infrastruktur. Der Schutzraum hingegen ist auf wenige Stunden bis maximal einige Tage ausgelegt – mit dem klaren Ziel, Leben zu schützen, nicht Wohnverhältnisse herzustellen. Das hat direkte Auswirkungen darauf, was beschafft werden muss und was nicht.
Die Checkliste: Ausstattung pro Person
Das BBK hat als Grundversorgung skizziert: Feldbetten, sanitäre Anlagen, Trinkwasser, Erste Hilfe. Klare bundesweite Mindestmengen fehlen noch – aber die Produktkategorien sind eindeutig. Die folgende Checkliste leitet sich daraus ab, was Menschen für einen sicheren Aufenthalt von einigen Stunden bis maximal 72 Stunden konkret brauchen. Nicht mehr, nicht weniger. Alle Mengen sind
pro Person angegeben – so lässt sich die Liste direkt auf die Kapazität Ihres Schutzraums hochrechnen:
🛏️ Schlafen & Ruhen
Ein mehrstündiger Aufenthalt erfordert zumindest die Möglichkeit, sich hinzulegen. Feldbetten sind hier die erste Wahl – sie sind ohne Werkzeug aufzubauen, platzsparend zu lagern und in wenigen Minuten einsatzbereit.
- 1 Feldbett pro Person (robust, bis 150 kg belastbar, schnell aufbaubar)
- 1 Wolldecke pro Person (waschbar, kompakt gelagert)
- 1 Kissen pro Person
- 1 Thermofolie pro Person (als Notfalldecke, platzsparend)
Hinweis zur Lagerung: Feldbetten lassen sich im Gegensatz zu Etagenbetten vollständig zerlegt und gestapelt lagern – ideal für Räume, die im Normalbetrieb anders genutzt werden.
🚿 Hygiene & Sanitär
Hygiene ist in Gemeinschaftssituationen kritisch – sowohl für das Wohlbefinden der Betroffenen als auch zur Vermeidung von Krankheitsausbrüchen. Die Grundausstattung sollte immer vorgehalten werden.
- 1 Hygiene-Set pro Person: Zahnbürste, Zahnpasta, Kernseife, Shampoo, Deo, Kamm
- 1 Handtuch-Set pro Person: Duschtuch, Handtuch, Waschlappen
- Damenhygieneartikel für ca. 50 % der Kapazität einplanen
- Händedesinfektionsmittel an zentralen Punkten (1 Flasche pro 10 Personen)
- Toilettenpapier (mind. 1 Rolle pro Person für 72 Stunden)
- Müllbeutel & Reinigungsmittel für den laufenden Betrieb
Bei Räumen ohne ausreichende Sanitärinfrastruktur: mobile Toiletteneinheiten einplanen (Richtwert: 1 Einheit pro 20 Personen).
🩹 Erste Hilfe & medizinische Grundversorgung
- 1 Erste-Hilfe-Koffer pro 20 Personen (DIN 13169 oder vergleichbar)
- 2 Rettungsdecken pro 10 Personen (silber/gold, sofort zugänglich)
- Desinfektionstücher (ausreichend für laufende Nutzung)
- Schutzmasken FFP2 oder chirurgisch (mind. 2 Stück pro Person)
- 1 Fieberthermometer pro 20 Personen
👕 Kleidung & persönliche Grundausstattung
Bei Evakuierungen kommen Betroffene oft ohne persönliche Gegenstände an. Auch für Schutzräume, die plötzlich aktiviert werden, sollte eine Grundausstattung vorgehalten sein.
- 1 Kleidungs-Set pro Person: T-Shirt, Jogginghose oder Pulli, Unterwäsche, Socken (Größen S/M/L/XL)
- 1 Regenjacke pro Person
- 1 Trinkflasche pro Person (750 ml, wiederverwendbar)
- 1 Geschirr-Set pro Person: Teller, Becher, Besteck
⚡ Licht & Strom
Besonders bei Blackout-Szenarien ist autarke Stromversorgung entscheidend.
- Stirnlampen oder Handleuchten (mind. 1 pro 5 Personen, für Einsatzkräfte und Betroffene)
- Mobile LED-Beleuchtung für Schlaf- und Sanitärbereiche
- Powerbanks (mind. 10.000 mAh) für Kommunikation der Betroffenen (1 pro 5 Personen)
- Kurbelradio oder batteriebetriebenes Radio für Notfallinformationen
- Mehrfachsteckdosen für verfügbare Stromanschlüsse
- Notstromaggregat für größere Einheiten (mind. 5–10 kW für 100 Personen)
🌡️ Wärme & Klimatisierung
- Mobile Heizgeräte bei Räumen ohne eigene Heizinfrastruktur
- Ventilatoren für Sommereinsätze (ausreichend Luftzirkulation in Gemeinschaftsräumen)
- Thermometer zur Überwachung der Raumtemperatur
🗂️ Organisation & Führung
- Tische & stapelbare Stühle (ca. 1 Tisch pro 8-10 Personen)
- Regale / Lagersysteme für Materialien und persönliche Gegenstände
- Absperrband & Beschilderung für Wegeführung und Bereichsmarkierung
- Registrierungsunterlagen & Formulare
Vorgepackt statt selbst zusammenstellen: Die ProtectBox-Lösung von Medilog-Plus
Wer nicht jeden Artikel einzeln beschaffen und lagern möchte, kann auf die ProtectBox-Modullösungen von Medilog-Plus zurückgreifen. Die Boxen sind systematisch vorgepackt, farbcodiert und gelabelt – und decken die wesentlichen Versorgungsbereiche direkt ab:
- Schlaf-Plus: Matratze/Feldbettauflage, Wolldecke, Kissen, Bettwäsche, Handtücher, Thermofolie
- Hygiene-Plus: Zahnbürste, Kernseife, Shampoo, Nassrasierer, Toilettenpapier, Deo, Bürste
- Kleidung-Plus: T-Shirt, Jogginghose/Pulli, Unterwäsche, Socken, Regenjacke
- Erstehilfe-Plus: Wundkompressen, Mullbinden, Heftpflaster, Rettungsdecken, Desinfektionsmittel, Dreiecktuch
- Elektro-Plus: Taschenlampe, Powerbank, USB-Ladegerät, USB-Kabel, Nutzungsanleitung
- Ausstattung-Plus: Trinkflasche, Geschirr-Set, Besteck-Set, Becher, Multifunktionstuch
Zusätzlich liefert Medilog-Plus alle weiteren Ausstattungskomponenten, die für einen funktionsfähigen Schutzraum benötigt werden: Feldbetten, Matratzen, Trennwände, Tische, Stühle, Regale und auf Wunsch auch den kompletten Aufbauservice durch ein eingespieltes 4-Personen-Team.
Fazit: Die Vorgaben kommen – wer jetzt plant, ist vorne
Das BBK hat den Auftrag erteilt, die Pilotprojekte laufen 2026 an, und das bundesweite Verzeichnis soll bis Ende des Jahres stehen. Kommunen, die dann noch keine Ausstattung vorgehalten haben, werden unter Druck beschaffen – mit allen Nachteilen: höhere Kosten und längere Lieferzeiten.
Die Produktkategorien für öffentliche Schutzräume sind heute bereits bekannt. Feldbetten, Decken, Hygieneartikel, Erste-Hilfe-Ausstattung und Lichtversorgung lassen sich jetzt beschaffen, einlagern und bei Bedarf innerhalb weniger Stunden aktivieren. Wer heute mit der Bedarfsermittlung beginnt, hat beim ersten Pilotprojekt – oder im echten Ernstfall – einen entscheidenden Vorsprung.
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